Praktikum zwischen Sydney und Tokio

Nach erfolgreichem Jurastudium an der Humboldt-Universität zu Berlin absolviert Julian Zoller aktuell einen JD (Juris Doctor) an der University of Sydney. Als einer von acht Teilnehmern nahm er am Law Clerk Programme von Allen & Overy teil.

Können Sie kurz das Law Clerk Programme beschreiben?

Das Law Clerk Programme ist ein 10-wöchiges Praktikantenprogramm, das sich an Studenten im letzten Jahr ihres Studiums richtet. Im Unterschied zu Deutschland bieten sämtliche Wirtschaftskanzleien Sydneys ein solches Programm gleichzeitig an. Der Vorteil parallel laufender Programme sind kanzleiübergreifende Sportwettbewerbe (Fußball, Rugby u.ä.) und Abendveranstaltungen mit Praktikanten anderer Kanzleien.

Das Angebot von Allen & Overy ist allerdings einzigartig, da man zusätzlich auch noch eine Woche in einem asiatischen Büro verbringt. In diesem Jahr waren das z.B. Ho Chi Minh City, Bangkok, Shanghai, Peking, Hongkong, Singapur und Tokio, meine Station.

  • Julian Zoller

    Law Clerk Corporate

Was waren konkrete Arbeitsaufgaben eines „Law Clerk“?

In Australien war ich u.a. dem Bereich Corporate zugeordnet. Zu meinen Aufgaben gehörten beispielsweise Recherchen zu Kauf- und Verkaufsaktivitäten im Bereich Private Equity, Due Diligence oder das Erstellen von Hinterlegungsvereinbarungen im Rahmen eines IPO.

War es dabei schwierig, sich in einem neuen Rechtssystem zurecht zu finden?

Das Arbeiten im hiesigen Rechtssystem bereitete mir aufgrund meines australischen JD Studiums keine Schwierigkeiten. Auch muss ich sagen, dass es gerade im Transaktions-Bereich keine gravierenden Unterschiede zwischen Civil Law und Common Law gibt.
Insbesondere internationale Transaktionen laufen im wesentlich nicht anders als in Deutschland ab und die Büros von Allen & Overy scheinen sich sehr stark an einheitlichen Standards und Dokumenten zu orientieren.

Dadurch ergaben sich auch in Tokio, hier war ich im Bereich Corporate eingesetzt, keine Schwierigkeiten, da vordergründig japanische Unternehmen in „outbound“ Transaktionen, d.h. der Akquise ausländischer Firmen durch japanische Unternehmen, beraten wurden. Und diese Transaktionen laufen oftmals nach englischem Recht ab. Die entsprechenden Transaktionsdokumente waren daher wie in Australien.

Julian Zoller:

„Und es ist wirklich kein Klischee, morgens hört man das typische „How are you going, mate?““

Den Vergleich können nur wenige Praktikanten ziehen: Wie ist das Arbeitsleben in Australien im Vergleich zu Japan?

Australier sind lockerer im Umgang untereinander. Wie selbstverständlich redet der Praktikant auch den Partner mit Vornamen an. Und es ist wirklich kein Klischee, morgens hört man das typische „How are you going, mate?“ Auch im Vergleich zu Deutschland war der Umgang deutlich aufgeschlossener und lockerer.
Ganz anders Japan. Hier gibt es einen sehr höflichen, respektvollen und zurückhaltenden Umgang untereinander. Bei der Begrüßung wird Augenkontakt vermieden und die Verbeugung ersetzt oftmals den Handschlag. Und das ist auch japanisch, jeder Arbeitsplatz bzw. Schreibtisch verfügt über einen Helm für den Fall eines Erdbebens.

Gab es ein Highlight oder Erlebnis, das dir in besonderer Erinnerung bleiben wird?

Ganz klar der Mock Pitch: Wir Praktikanten sollten dabei einen Pitch für einen realen Mandanten, der allerdings bisher noch nicht vom Büro in Sydney beraten wurde, ausarbeiten. Im konkreten Fall plante der Mandant als Teil eines Konsortiums die Akquise australischer Infrastruktur.
Die Ausarbeitung erfolgte im Wesentlichen durch die Praktikanten, Unterstützung bekamen wir durch unseren jeweiligen Buddy und das Business Development Team. Nach zwei Wochen Bearbeitungszeit folgte dann eine Mandantenpräsentation vor Senior Associates und Counsel der Kanzlei mit anschließendem Feedback. Ich fand es schön zu sehen, wieviel Wert A&O auf möglichst vollumfängliches Training legt. Der Mock Pitch hat mir gezeigt, dass nicht nur juristische Fähigkeiten erforderlich sind, sondern Präsentationstechnik und selbstsicheres Auftreten unerlässlich sind.