Promotion und Praxis? Erste Einblicke

Ich bin seit drei Monaten im Hamburger Büro von A&O im Bereich Kartellrecht als juristische Mitarbeiterin promotionsbegleitend tätig und kann daher als erstes Fazit festhalten: der Arbeitsalltag in einer Großkanzlei ist bei Weitem besser, als sein Ruf!

Am Anfang hatte ich natürlich großen Respekt davor, bei einer der weltweit größten Rechtsanwaltskanzleien anzufangen und fragte mich, ob mein Kenntnisstand eine entgeltliche Tätigkeit überhaupt rechtfertigen würde.

Dies war unter anderem auch dem Umstand geschuldet, dass mein Englisch bei Weitem nicht perfekt ist, während gefühlt fast alle meine Kollegen schon mindestens einen längeren Aufenthalt im englischsprachigen Ausland vorzuweisen haben und außerdem ebenfalls über mindestens vollbefriedigende Examina verfügen.

  • Julia Petersen

    juristische Mitarbeiterin im Bereich Kartellrecht in Hamburg

Mir war die Rechtsmaterie des Kartellrechts zwar durch mein Schwerpunktstudium nicht mehr ganz fremd und außerdem promoviere ich auch in dem Bereich, aber ich musste ziemlich abrupt feststellen, dass dieser abgedroschene Spruch „Zwischen Theorie und Praxis liegen Welten“, leider sehr viel Wahres enthält.

Bei meiner ersten Aufgabe für meinen Buddy René Galle habe ich daher angefangen, in exzellentem Subsumtionsstil – wie man es ja das komplette Studium über eingetrichtert bekommt – an einer Zusammenschlussanmeldung zum Bundeskartellamt mitzuschreiben. Wenig später wurde ich dann sehr nett darauf hingewiesen, dass derartiges in der Praxis nicht mehr gefragt sei – schade!

Allerdings werden einem am Anfang nahezu alle Fehler verziehen, was zwangsläufig einer Art Welpenschutz geschuldet ist. Von daher kann ich jeden beruhigen, der sich im jeweiligen Fachbereich der Praxisgruppe noch nicht als absolut kompetent ansieht: hier gilt tatsächlich das Motto „learning by doing“! Außerdem bietet A&O für alle Interessenten u.a. einen Englisch-Kurs an, sodass wir dort unsere Kenntnisse im Rechtsenglisch erweitern können.

Die Aufgaben eines wissenschaftlichen Mitarbeiters sind sehr vielfältig und hängen auch davon ab, für welchen Anwalt man aktuell arbeiten soll. Jedoch habe ich – vor allem bei erfahrenden Anwälten – nicht das Gefühl, nur zuzuarbeiten, ohne überhaupt zu verstehen, wofür das gerade gebraucht wird. Im Gegenteil: fast immer nehmen sich die Anwälte Zeit, den wissenschaftlichen Mitarbeitern das konkrete Mandat zu erklären, sodass man dadurch einen guten praktischen Einblick in die Tätigkeit eines Anwalts erhalten kann.

Mir persönlich bringt es sehr viel, promotionsbegleitend in einer Wirtschaftskanzlei zu arbeiten, da ich davon überzeugt bin, dass gerade die praktischen Einblicke enorm zum Gesamtverständnis beitragen.

Julia Petersen:

„Mir persönlich bringt es sehr viel, promotionsbegleitend in einer Wirtschaftskanzlei zu arbeiten“

Bei der Wahl der richtigen Kanzlei war es mir außerdem sehr wichtig, dass ich ein eigenes Büro habe, in welchem ich auch außerhalb der Arbeitstage an meiner Dissertation schreiben kann. Zwar habe ich im Vorwege von vielen Seiten gehört, dass ich bestimmt niemals in Ruhe gelassen werde und mich am besten bei geschlossener Tür verstecken solle – dies ist jedoch zum Glück nicht notwendig. Im Gegenteil wird vom gesamten Team erstaunlich viel Rücksicht auf meine „freien Tage“ genommen, was auch daran liegen dürfte, dass der Altersdurchschnitt der Anwälte recht niedrig ist, sodass die eigene Promotionszeit noch gut im Gedächtnis ist.

Das Verhältnis zu den Anwälten und dem gesamten Non-Legal-Bereich empfinde ich als sehr freundlich und offen, sodass ich auch schon die eine oder andere Gelegenheit genutzt habe, z.B. über Probleme bezüglich meiner Dissertation zu reden. Besonders mein Buddy nimmt sich häufig Zeit für mich, obwohl er natürlich – wie alle Anwälte – sehr viel zu tun hat.

Besonders gut finde ich es in dem Zusammenhang, dass mir die Aufgaben, wie z.B. Anmeldungen ans Bundeskartellamt, oft in der endgültigen Fassung gezeigt werden, sodass ich dann sehen kann, was noch geändert wurde.

Daher kann ich nur empfehlen, sich für eine studentische, juristische oder wissenschaftliche Nebentätigkeit bei A&O zu bewerben und möglichst frühzeitig erste Einblicke in den Arbeitsalltag einer Großkanzlei zu erhalten.

M&A, Corporate, TUI und TUI Travel

„Fusionen zu begleiten, ist eine kreative Aufgabe“

Das globale Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hält an. Zwei Unternehmen zu einem zu verschmelzen, funktioniert nur mit der richtigen juristischen Beratung. A&O unterstützte die TUI AG beim Zusammenschluss mit der britischen Tochter TUI Travel. Ein Report über das M&A-Geschäft aus Sicht der Großkanzlei.

Ein deutsches Unternehmen, das an der Londoner Premiumbörse gelistet ist – das gab es vorher noch nie. Als Jonas Wittgens zum ersten Kick-Off-Treffen mit dem Vorstand der TUI AG und ihrer britischen Tochter TUI Travel PLC kam, hätte er sich nicht träumen lassen, dass am Ende der Fusion dieses Ergebnis stehen würde. Die rechtliche Konstruktion, die für die heutige TUI AG entwickelt wurde, mussten die Anwälte von Allen & Overy ganz neu erfinden – sie wurde maßgeschneidert auf die Interessen der beiden Unternehmen, die zu einem verschmolzen sind. Genau darum geht es bei M&A –Mandaten, sagt Wittgens, Counsel bei Allen & Overy in Hamburg: strategisch zu denken, auf ein Ziel zuzusteuern und den optimalen Weg dorthin zu finden.

  • Dr. Jonas Wittgens

    Counsel

Eine Fusion oder Übernahme zu begleiten, sagt Wittgens, „ist eine kreative Aufgabe“.

Bei M&A Corporate ist jeder Fall anders. Jeder beschreitet juristisches Neuland. Wenn zwei Unternehmen zu einem werden, erfolgt das nie nach einem starren Muster. Jedes Unternehmen hat seine rechtlichen und tatsächlichen Eigenheiten. Und jeder Vorstand, jede Geschäftsführung verfolgt ein eigenes Ziel. Da prallen Interessen aufeinander, bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen auch Rechtssysteme. Um dennoch einen gemeinsamen Rahmen für alle zu finden, wird juristisch geprüft, taktiert und nicht zuletzt gefeilscht. An der Fusion der TUI AG mit TUI Travel waren an die 50 Anwälte aus den Büros von Allen & Overy in Deutschland und London beteiligt.

Und das war keine Ausnahme. Jede Fusion wird von einer Vielzahl Experten begleitet: von Gesellschaftsrechtlern, Kapitalmarktberatern, Finance- und Bankingexperten sowie Spezialisten für Steuerrecht. Allen & Overy stellt für jedes Mandat ein Team aus spezialisierten Beratern zusammen, das alle tangierten Rechtsbereiche abdecken kann.

Beteiligte Fachbereiche

  • Mergers & Aquisition
  • Steuerrecht
  • Banking

Die TUI AG zum Beispiel wurde von Corporate, ICM, Banking- und Tax-Teams aus Deutschland und London beraten. Die beteiligten Rechtsanwälte stehen in ständigem Kontakt miteinander. Ein reger Austausch, oft auch mit Kollegen weltweit, gehört zum Tagesgeschäft. Denn immer wieder ändert sich die Situation, tauchen neue Fragen auf, neue Ideen. In einem M&A-Prozess gibt es viele Unwägbarkeiten – und eine Dynamik zwischen den Verhandlungspartnern, die für die Anwälte zuvor oft nicht vorhersehbar ist. Einen „working target“ nennt Wittgens eine solche Fusion.

Dr. Wittgens:

„Intellektuell ist ein solcher Prozess sehr anspruchsvoll.“

Als die TUI AG 2014 die restlichen Anteile ihrer Tochter TUI Travel übernahm, gab es einen Wendepunkt, als die Verhandlungsführer der britischen TUI Travel plötzlich darauf beharrten, weiterhin an der Londoner Börse gelistet zu sein. Da der Sitz der Konzernzentrale in Hannover bleiben sollte, war der Plan ursprünglich, die TUI AG im deutschen MDAX zu belassen. Doch von den englischen Anlegern kam das Signal, dass sie ihre Aktien an der Londoner Börse handeln wollten und nirgends sonst. Unerwartet wurde das zu einer unverzichtbaren Bedingung für die Fusion. Wie aber sollte das rechtlich gehen? Ganz neue Fragen tauchten auf. Welche neuen Mitteilungspflichten kämen auf die TUI AG zu? Wo könnte das deutsche mit dem britischen Aktienrecht kollidieren? Und wie könnte dann eine Lösung aussehen? „Dass es ein solches Modell für die Fusion geben würde, war zu Beginn der Transaktion nicht abzusehen“, sagt Wittgens.
Und das war nicht einmal das einzige Novum, das die Berater von Allen & Overy bei der Fusion entwickelten. Als zweite Besonderheit kam hinzu, dass die TUI AG für die Übernahme der restlichen Anteile ihrer Tochter nur in Aktien zahlen wollte. Auch das gab es zwischen einem deutschen und britischen Unternehmen noch nie.

Hintergrund

Das Beratungsspektrum im Fachbereich Gesellschaftsrecht geht weit über den Bereich Mergers and Acquisitions hinaus. Er reicht vom klassischen Gesellschaftsrecht über Steuerrecht, Finanzierungen, Arbeitsrecht, Kartellrecht, Kapitalmarktrecht, Prozessrecht, Öffentliches Recht bis hin zum Gewerblichen Schutzrecht.


Auch dafür musste ein Modell entwickelt werden, das die Anleger auf beiden Seiten zufrieden stellt. Tatsächlich kam bei den Verhandlungen der erste all-share-nil-premium merger heraus. Die Aktionäre stimmten auf den Hauptversammlungen zu.

Bei so etwas dabei zu sein, ist selbst für erfahrene Anwälte eine große Sache. Bei Allen & Overy aber ist es nicht alleine den Partnern vorbehalten. Auch junge Kollegen sitzen bei einem M & A-Geschäft schnell mit am Verhandlungstisch, als Counsel oder Associate. Zu Beginn begleiten sie eine Übernahme eher fachlich mit ihrer rechtlichen Expertise. Die auch strategische Verantwortung steigt dann mit der Erfahrung. So wachsen junge Anwälte bei Allen & Overy schnell in das globale M&A-Geschäft hinein.

Morgens halb 10 bei A&O: Anruf in Riad

Allen & Overy unterhält Büros in allen Teilen der Welt. Johannes Bruski arbeitet schon ein paar Jahre in Riad, Saudi-Arabien. Was ist dort anders als in New York, London oder Frankfurt?

Ausgerechnet Saudi-Arabien. Als Johannes Bruski seinen Bekannten 2008 erzählte, dass er für Allen & Overy nach Riad zieht, hielt sich deren Begeisterung in Grenzen. Saudi-Arabien ist ein Land, bei dem man eher an strenge Gesetze denkt, als an spannende Mandate und Lebensqualität. Heute sind viele beeindruckt, wenn er von seiner Arbeit dort erzählt. Wer sonst kann schon von sich sagen, dass er die größten Konzerne eines Landes, dessen Zentralbank und das Handelsministerium berät?

Johannes Bruski wirkt zufrieden. Es ist 10 Uhr Ortszeit, also etwa 9 Uhr nach deutscher Zeit. Vor ihm steht sein zweiter Kaffee, auf dem iPad hat er schon mehrere deutsche und internationale Zeitungen gelesen. Gleich steht ein Meeting mit dem Vorstand eines Unternehmens auf dem Programm, das seine Geschäfte in Saudi-Arabien ausweiten will.

Hintergrund

Allen & Overy unterhält weltweit 45 Büros. Riad, Saudi-Arabien, als Kooperationsbüro, ist eines davon.

Anschließend hat er eine Telefonkonferenz. Eigentlich ist alles genauso, als wenn er von New York, London oder Frankfurt aus arbeiten würde. „Der Computer, mein Hauptarbeitsgerät, sieht überall auf der Welt gleich aus“, sagt er und lacht. „Und mein Alltag hier gestaltet sich fast genauso, wie es in den Jahren zuvor in Deutschland war“.

Allen & Overy unterhält Büros in allen Teilen der Welt. Das Team ist entsprechend international. Wer bei Allen & Overy als Anwalt tätig ist, ist Teil eines großen Netzwerkes, das ständig in Bewegung ist. Das sich erweitert und verändert, das Wege eröffnet und manchmal ganz unerwartete Chancen bietet. Für große Mandate werden oft grenzüberschreitende Teams zusammengestellt. Dadurch ist der Kontakt der Kollegen untereinander intensiv, auch über die Grenzen hinweg. Die Anwalt stehen in regelmäßigem Austausch miteinander, besprechen ihre Erfahrungen und arbeiten gemeinsam an großen Mandaten. Auch wer an kleineren Standorten wie eben in Riad arbeitet, ist Teil des großen Netzes von Allen & Overy.

Die Umgebung in Saudi-Arabien findet Bruski spannender als anderswo. Die weiten Landschaften. Die Kultur, in der es für einen Westeuropäer auch nach vielen Jahren immer noch Neues zu entdecken gibt. Hier kann man Lebenserfahrung gewinnen, die in einer vertrauten Umgebung niemals möglich wäre. Und dann scheint auch noch durchweg die Sonne.

  • Johannes Bruski

    Partner

All das war mit der Grund, warum er sich 2008 für den Umzug nach Riad entschieden hatte. Allen & Overy wollte im Rahmen der weltweiten Expansion seine Aktivitäten im Mittleren Osten verstärken. Bruski war sofort hellhörig geworden. „Wenn ich schon als Deutscher ins Ausland gehe, sollte es ein Emerging Market sein“, sagt er. Ihn hat es gereizt, als Pionier ein neues Feld zu erschließen. Und einen echten Mehrwert bieten zu können auf einem Markt für juristische Leistungen, der sich erst langsam entwickelt. Die Rechnung ist aufgegangen: Allen & Overy war als eine der ersten internationalen Großkanzleien in dem zuvor recht verschlossenen Land. Vor Johannes Bruski war nur ein britischer Kollege vor Ort. Heute arbeiten dort an die 15 Juristen, fast 30 Mitarbeiter sind es insgesamt und Allen & Overy ist heute in der Region eine der führende Kanzleien.

Bruski jedenfalls genießt das Leben in einer Region, die auch für ihn vor ein paar Jahren noch das andere Ende der Welt war und sich heute nach seinem Zuhause anfühlt. Was würde er gerne mitnehmen, wenn es ihn eines Tages doch nach Europa zurückziehen sollte? Er muss nicht lange überlegen. Die Grundfreundlichkeit der Menschen, antwortet er spontan. „Dass ich mich hier so wohlfühle, liegt auch daran, dass die Menschen hier sehr gastfreundlich und kooperativ sind“.