M&A, Corporate, TUI und TUI Travel

„Fusionen zu begleiten, ist eine kreative Aufgabe“

Das globale Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hält an. Zwei Unternehmen zu einem zu verschmelzen, funktioniert nur mit der richtigen juristischen Beratung. A&O unterstützte die TUI AG beim Zusammenschluss mit der britischen Tochter TUI Travel. Ein Report über das M&A-Geschäft aus Sicht der Großkanzlei

Ein deutsches Unternehmen, das an der Londoner Premiumbörse gelistet ist – das gab es vorher noch nie. Als Jonas Wittgens zum ersten Kick-Off-Treffen mit dem Vorstand der TUI AG und ihrer britischen Tochter TUI Travel PLC kam, hätte er sich nicht träumen lassen, dass am Ende der Fusion dieses Ergebnis stehen würde. Die rechtliche Konstruktion, die für die heutige TUI AG entwickelt wurde, mussten die Anwälte von Allen & Overy ganz neu erfinden – sie wurde maßgeschneidert auf die Interessen der beiden Unternehmen, die zu einem verschmolzen sind. Genau darum geht es bei M&A –Mandaten, sagt Wittgens, Counsel bei Allen & Overy in Hamburg: strategisch zu denken, auf ein Ziel zuzusteuern und den optimalen Weg dorthin zu finden.

  • Dr. Jonas Wittgens

    Counsel

Eine Fusion oder Übernahme zu begleiten, sagt Wittgens, „ist eine kreative Aufgabe“.

Bei M&A Corporate ist jeder Fall anders. Jeder beschreitet juristisches Neuland. Wenn zwei Unternehmen zu einem werden, erfolgt das nie nach einem starren Muster. Jedes Unternehmen hat seine rechtlichen und tatsächlichen Eigenheiten. Und jeder Vorstand, jede Geschäftsführung verfolgt ein eigenes Ziel. Da prallen Interessen aufeinander, bei grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen auch Rechtssysteme. Um dennoch einen gemeinsamen Rahmen für alle zu finden, wird juristisch geprüft, taktiert und nicht zuletzt gefeilscht. An der Fusion der TUI AG mit TUI Travel waren an die 50 Anwälte aus den Büros von Allen & Overy in Deutschland und London beteiligt.

Und das war keine Ausnahme. Jede Fusion wird von einer Vielzahl Experten begleitet: von Gesellschaftsrechtlern, Kapitalmarktberatern, Finance- und Bankingexperten sowie Spezialisten für Steuerrecht. Allen & Overy stellt für jedes Mandat ein Team aus spezialisierten Beratern zusammen, das alle tangierten Rechtsbereiche abdecken kann.

Beteiligte Fachbereiche

  • Mergers & Aquisition
  • Steuerrecht
  • Banking

Die TUI AG zum Beispiel wurde von Corporate, ICM, Banking- und Tax-Teams aus Deutschland und London beraten. Die beteiligten Rechtsanwälte stehen in ständigem Kontakt miteinander. Ein reger Austausch, oft auch mit Kollegen weltweit, gehört zum Tagesgeschäft. Denn immer wieder ändert sich die Situation, tauchen neue Fragen auf, neue Ideen. In einem M&A-Prozess gibt es viele Unwägbarkeiten – und eine Dynamik zwischen den Verhandlungspartnern, die für die Anwälte zuvor oft nicht vorhersehbar ist. Einen „working target“ nennt Wittgens eine solche Fusion.

Dr. Wittgens:

„Intellektuell ist ein solcher Prozess sehr anspruchsvoll.“

Als die TUI AG 2014 die restlichen Anteile ihrer Tochter TUI Travel übernahm, gab es einen Wendepunkt, als die Verhandlungsführer der britischen TUI Travel plötzlich darauf beharrten, weiterhin an der Londoner Börse gelistet zu sein. Da der Sitz der Konzernzentrale in Hannover bleiben sollte, war der Plan ursprünglich, die TUI AG im deutschen MDAX zu belassen. Doch von den englischen Anlegern kam das Signal, dass sie ihre Aktien an der Londoner Börse handeln wollten und nirgends sonst. Unerwartet wurde das zu einer unverzichtbaren Bedingung für die Fusion. Wie aber sollte das rechtlich gehen? Ganz neue Fragen tauchten auf. Welche neuen Mitteilungspflichten kämen auf die TUI AG zu? Wo könnte das deutsche mit dem britischen Aktienrecht kollidieren? Und wie könnte dann eine Lösung aussehen? „Dass es ein solches Modell für die Fusion geben würde, war zu Beginn der Transaktion nicht abzusehen“, sagt Wittgens.
Und das war nicht einmal das einzige Novum, das die Berater von Allen & Overy bei der Fusion entwickelten. Als zweite Besonderheit kam hinzu, dass die TUI AG für die Übernahme der restlichen Anteile ihrer Tochter nur in Aktien zahlen wollte. Auch das gab es zwischen einem deutschen und britischen Unternehmen noch nie.

Hintergrund

Das Beratungsspektrum im Fachbereich Gesellschaftsrecht geht weit über den Bereich Mergers and Acquisitions hinaus. Er reicht vom klassischen Gesellschaftsrecht über Steuerrecht, Finanzierungen, Arbeitsrecht, Kartellrecht, Kapitalmarktrecht, Prozessrecht, Öffentliches Recht bis hin zum Gewerblichen Schutzrecht.


Auch dafür musste ein Modell entwickelt werden, das die Anleger auf beiden Seiten zufrieden stellt. Tatsächlich kam bei den Verhandlungen der erste all-share-nil-premium merger heraus. Die Aktionäre stimmten auf den Hauptversammlungen zu.

Bei so etwas dabei zu sein, ist selbst für erfahrene Anwälte eine große Sache. Bei Allen & Overy aber ist es nicht alleine den Partnern vorbehalten. Auch junge Kollegen sitzen bei einem M & A-Geschäft schnell mit am Verhandlungstisch, als Counsel oder Associate. Zu Beginn begleiten sie eine Übernahme eher fachlich mit ihrer rechtlichen Expertise. Die auch strategische Verantwortung steigt dann mit der Erfahrung. So wachsen junge Anwälte bei Allen & Overy schnell in das globale M&A-Geschäft hinein.